19.8.2014 … Kutaisi – Chiatura


Es ist Sonntag. Nach dem Frühstück schlendern wir gemütlich zur Baghrati Kirche. Schon am Morgen ist es sehr heiß, deutlich über 30 Grad. Wir wechseln im inneren der Kirche mit tollen Gesängen nach draußen und wieder nach drinnen. Bei georgisch orthodoxen Gottesdiensten ist das problemlos möglich.

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Es geht weiter zum Kloster Gelati. Auf dem Weg dorthin sind noch ein paar Fotos abzugeben, doch der diensthabende Mitarbeiter am Bahnübergang ist sehr grantig. Nur mit Mühe lässt er sich überzeugen die Fotos an seinen Kollegen weiterzuleiten. Und so geht es ohne „Bahnübergangsshooting“ weiter zum Kloster. Hier finden sich 3 Kirchen und ein Glockenturm auf einer kleinen Klosterfläche. Schon vor über 1000 Jahren gab es hier eine Akademie, die sich unter anderem mit Astronomie befasste.

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JMF35050Motiv rechts…

JMF35049Motiv links…

Der Nachmittag gehört Kutaisi. Wir stärken uns im Stadtpark mit einem Getränk und dann geht es auf den Markt – Bilder verteilen. Hier ist es wieder ein großes „Hallo“ und nun wollen natürlich alle fotografiert werden. Vor dem Markt treffen wir auf Shota, den ich ebenfalls im April fotografiert habe. Nino findet heraus, dass er Fotojournalist war und er kramt natürlich auch sofort einen alten Zeitungsartikel hervor. Nun werden noch Fotos an die Mehlhändler verteilt und damit haben wir alles erledigt. Es bleibt noch genug Zeit für einige Fotos auf dem Markt und in der Stadt.

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Aber es ist mit 40 Grad und windstille doch sehr sehr unangenehm. Wir beschließen daher ins Hotel zurückzukehren und heute am Abend noch einmal zur blauen Stunden zur Bagrathi Kirche zurück zu kehren.
Ach ja, apropro Hotel, wir waren in der letzten Nacht im falschen Hotel, was aber nicht weiter auffiel. Aber für heute müssen wir dann doch in das eigentlich vorgebuchte Hotel. Es liegt etwas außerhalb der Stadt. Wir essen wieder lecker Abendbrot und dann geht es noch für einige Nachtaufnahmen zur Kirche. Und Nino erhält von Daniel eine Einführung in das „Light-Painting“

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Die Nacht war etwas unruhig, denn es war sehr windig und die Türen des gesamten Hauses haben so viel Spiel, dass sich ein ausgiebiges Klapperkonzert ergab. Da auch die Klimaanlage in unserem Zimmer in einen unbefristeten Streik getreten war und daher das Fenster offen stand, haben wir auch noch das Klappern und Rauschen von draußen mitbekommen.

Als wir dann zum Frühstück gingen, standen zwei Polizeiautos vor der Tür.

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In der Nacht waren bei einem anderen Bus die beiden Außenspiegel gestohlen worden. Bei unserem Bus hatte man es versucht, aber das Spiegelglas war eingeklebt und somit zerbrochen. Unseren Fahrer hätte das sicher geärgert, aber er wäre trotzdem weitergefahren. Da seitens des Hotels aber die Polizei benachrichtigt wurde, spielte sich nun ganz großes Kino ab. Polizei, Kriminalpolizei, Spurensicherung. Es wurden Fotos gemacht, Fingerabdrücke genommen, es wimmelte nur so von Polizisten, die allerdings meistens unter den Weinreben im Schatten saßen und „wichtige Dinge“ besprachen. Es wurde aber schnell klar: So schnell kommen wir hier nicht weg. Von 2 bis 3 Stunden war die Rede. Also brauchten wir einen Plan B.

Das Parlamentsgebäude wollte wir ohnehin noch anschauen, also fahren wir doch mit dem Taxi dorthin. Nino hatte jedoch einen besseren Vorschlag. Um meinen Bericht über die georgischen Verkehrsmittel zu vervollständigen, nehmen wir die Marschutka.
Das Prinzip ist gar nicht so kompliziert. Man stellt sich an die Straße und wartet bis die passende Marschutka vorbei kommt, dann hält man die Hand raus, die Marschutka stoppt und man steigt ein. Einziges Problem, man muss einfach wissen wohin das Ding fährt. Hier in Kutaisi gibt es bei einigen sogar Liniennummern. Ansonsten stehen die angestrebten Stadteile einfach auf einem Schild in der Windschutzscheibe – auf georgisch! Wir wussten aber, dass wir die Linie 100 nehmen müssen. Zum Glück war sie noch nicht so voll und wir bekamen noch Sitzplätze. Meist sind die Dinger jedoch so voll, das eine Sardinenbüchse dagegen geräumig ist. So fuhren wir quer durch die Stadt, erkannten im Vorbeifahren sogar einige Dinge wie den Stadtpark und den großen Brunnen wieder und erreichten schließlich ziemlich durchgeschüttelt das Parlament. Aussteigen ist genauso einfach. Man geht nach vorn zur einzigen (!) Tür beziehungsweise man ruft von hinten, was den Fahrer zu einer augenblicklichen Vollbremsung veranlasst –  und so ist man dann ebenfalls „vorne“. Beim Austeigen legt man dem Fahrer das Geld hin – für uns waren das 0,8 Lari pro Person.

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Das Parlament ist wirklich sehr schön zu fotografieren. Gern hätten wir auch noch ein paar Innenaufnahmen gemacht, aber unser diesbezügliches Ansinnen wurde mit: ja, kein Problem, da braucht ihr nur eine Genehmigung, die Pässe muss man da hinten abgeben, das ist jetzt aber nicht angemeldet, ich rufe mal den Chef an, jetzt sind eigentlich Ferien, vielleicht geht es etwas später, oder lieber doch nicht – abgelehnt.

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Na ja, dann eben mit der Marschutka wieder zurück. Diesmal hatten wir nicht so viel Glück. Die Marschutka war schon ziemlich voll (was Georgier allerdings anders empfinden). Das Problem mit den Stehplätze ist, es gibt kaum Möglichkeiten sich festzuhalten und da es sich bei den Fahrzeugen um umgebaute Ford Transit, Mercedes Sprinter usw. (häufig noch mit Werbung für ein deutsches Heizungsbauunternehmen außen drauf) handelt, befindet man sich mit dem Kopf irgendwo oben im Dachbereich, wo es keine Fenster gibt. Man weiß also nicht so genau wo man gerade ist und wann man aussteigen muss. Nino hat uns aber sicher zurück gebracht. Die Polizeiflotte vor unserem Hotel hatte sich inzwischen deutlich reduziert.Dafür hatte man unseren Fahrer zum „Verhör“ und fürs „Protokoll“ mit zu Wache genommen.
Aber um kurz nach zwölf war es dann soweit, wir konnten endlich nach Chiatura starten.

Chiatura ist die Stadt der Seilbahnen. Von ehemals rund 60 Seilbahnen sind noch 20 in Betrieb, davon 7 für den Personenverkehr und 13 für den Materialtransport. So begaben wir uns zunächst zur zentralen Seilbahn-Umsteigestation. Wir konnten einen Blick auf den Fahrstand und die technischen Anlagen werfen die seit 50 Jahren unverdrossen ihren Dienst verrichten. Wir erhielten ein kurze Sicherheitseinweisung: Vorsicht da ist Strom drin und hier ist manchmal Öl! Und dann konnte wir uns frei bewegen. Nein Daniel! Das ist kein „lost place“ – das funktioniert alles noch. Wir erfuhren, dass die Bahnen im September still gelegt und dann für 13 Millionen Euro durch neue ersetzt werden. So mussten wir natürlich noch mal mitfahren. Einmal links auf den Berg und nochmal rechts auf den Berg. Eine fantastische rustikale Technik.

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Weiter ging es zu einer Mangan-Verladestation. Auch hier darf man natürlich nicht rein oder fotografieren, aber ein netter Plausch von Nino mit dem Vorarbeiter und schon heißt es, na ja hier vorne könnte ihr mal hin oder auch da um die Ecke. Für die Arbeiter war das shooting ein willkommene Abwechslung. Es ist einfach unglaublich welche Museumsstücke hier ganz normal im Einsatz sind.

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Der letzte Stopp galt einer kleinen Seilbahn, dessen Kabine eher aussieht wie ein Dixie-Klo. Auch hier mussten wir natürlich mit. Oben angekommen verließ die einzige andere Passagierin die Kabine, während wir uns noch am sortieren waren. Unvorsichtigerweise hatten wir dabei offenbar die Tür wieder geschlossen und sie ließ sich von innen nicht mehr öffnen. Wir waren gefangen. Nach anfänglicher Erheiterung wurde uns dann aber doch etwas mulmig, zumal es in dieser fast fensterlosen Blechdose unangenehm heiß wurde. Um nicht bei lebendigem Leibe gekocht zu werden, rief Nino unseren unten wartenden Fahrer an, damit er die Gondel wieder nach unten holten lassen konnte. Ich sah dann aber in der Bergstation jemanden am Fenster und Nino versuchte ihm unsere missliche Lage klar zu machen. Irgendwie verstand er aber das Problem nicht. Glücklicherweise kam in diesem Moment ein junger Mann, der mit nach unten wollte, er stieg ein und schon waren wir wieder auf dem Weg nach unten. Wir konnten unsere Rettungsaktion also abblasen und waren nach wenigen Minuten wieder unten angekommen. Diesmal gelang es uns auch problemlos die Gondel zu verlassen.

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So waren wir doch froh wieder in unserem Bus zu sitzen und die Fahrt nach Bakuriani anzutreten, wo wir am frühen Abend in einem schönen Hotel eintrafen.
Und so sind wieder ein paar wenig ereignisreiche Tage vergangen…

Kategorien:GeorgienSchlagwörter:,

1 Kommentar

  1. Moin Jens, da hast Du ja einen deutlich aufregenderen Georgien-Aufenthalt als im vergangenen April/Mai. Auahauaha.
    Haltet weiter die Ohren steif und habt gebührend Spaß.
    VG Hans

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