27.7.2013 Istanbul


 

Wenn man in Istanbul ist, muss ja auch den Bosporus überqueren. Wir verzichten aber auf die klassische Touristenrundfahrt für rund 30 Euro, die fast im Minutentakt vom Goldenen Horn ablegt und nehmen statt dessen für knapp einen Euro die Hafenfähre nach Kadiköy. Hier funktioniert übrigens auch die Istanbulcard der Straßenbahn. So genießen wir den Blick vom Wasser aus auf die Hagia Sophia, die Blaue Moschee und all die andern Moscheen, den Galataturm und schließlich den Bosporus.

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Nach rund 30 Minuten sind wir auf der anderen Seite und steigen an der Station Haydar Pascha aus. Hier liegt direkt am Wasser der alte Bahnhof für die Züge Richtung Osten. Es ist ein tolles Bauwerk, übrigens 1906 bis 1908 von zwei Deutschen Architekten und deutschen und italienischen Handwerkern gebaut.  Ein tolles Fotomotiv und wir haben es fast für uns allein. Obwohl wir alles finden was zu einem Bahnhof gehört, Personal,  geöffneter Fahrkartenschalter, Wartehalle usw. gibt es keinen Zug. Wir halten uns eine gute Stunde dort auf und die Ganze Zeit gibt es keine Ansage, kein Zug kommt, kein Zug fährt.
Im Bahnhofsrestaurant (fotografisch echt der Hit) nehmen wir einen Tee und überlegen wohin wir nun fahren.

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Die Entscheidung fällt für eine Einkaufsstraße, die Bagdat Caddesi. Ein Taxi bringt uns in rund einer halben Stunde dort hin. Eine mondäne Einkaufsstraße mit allen noblen Marken. Hier sehen wir kaum noch Touristen und auch kaum Frauen mit Kopftüchern, dafür jede Menge Schicki Micki und auf der Straßen einen einzigen Stau mit dem entsprechenden Gehupe. Wir schlendern ein wenig die Straße hinauf und hinunter und merken aber, dass dies doch nicht so unsere Welt ist.

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So bummeln wir hinunter zum Wasser, werfen einen Blick Richtung Mittelmeer und gehen dann weiter zu den Schiffsanlegern. Von hier aus werden die Inseln vor der Küste bedient, aber leider gibt es keine direkte Verbindung zurück zum Goldenen Horn. Also nehmen wir uns wieder ein Taxi zurück zum Anleger Kadiköy. Wir geraten aber an den Taxifahrer von James Bond und obwohl wir nicht gesagt haben, „folgen Sie dem Wagen!“  oder „Wir haben es eilig!“, stellt  er Steve McQueen (wer erinnert sich an den Film „Bullit“) locker in den Schatten. Wir erreichen den Anleger nach 8 Minuten !!! (Hinfahrt 30 Minuten) – man kann in der Rushhour bei voller Straße auch 120 km/h erreichen – wirklich! Mit schlotternden Knien retten wir uns auf die Hafenfähre, die uns dann ruhig und sicher (naja ein kleines Wettrennen mit einem Ausflugsboot gehört offenbar dann doch dazu) zurück nach Eminönü am goldenen Horn bringt.

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Jetzt brauchen wir dringen Ruhe und vielleicht wäre ein kurzer Dank an irgendeine Gottheit auch angebracht. Was liegt da näher, als eine – nein sicherheitshalber zwei Moscheen – zu besuchen.
Die kleine Rüstem Pascha Moschee liegt direkt beim Anleger, aber sehr versteckt zwischen den ganze Bazar-Geschäften. Neben einem Döner-Imbiss finden wir den Eingang und die Moschee ist wirklich sehr schön.

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Wir genießen die Ruhe, bevor wir uns auf den Fußweg zur Süleyman-Moschee machen. Auf dem Weg dorthin retten wir noch eine ganze Schutzputzerfamilie vor dem Ruin (wirklich aufdringlich – es gab kein Entrinnen!).
Die Süleyman-Moschee ist groß und mondän. Wir lauschen zunächst noch dem Imam beim Gebet (die Moschee ist voll) bevor wir uns dann die Moschee auch von innen ansehen. Erstaunlich zu sehen, dass während die Männer in der Mitte beten die Kinder durch den Saal fegen und versuchen neue Geschwindigkeitsrekorde beim Fangen aufzustellen.

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Da sich bereits wieder alle zum Fastenbrechen rüsten, machen auch wir uns auf den Weg, um in einem der vielen Touristenlokale („Hier nur bei mir…, …alles Spezialität, l…ecker Essen, …du schauen hier in Karte, …beste Restaurant in Istanbul…“) unser Abendessen einzunehmen.
Es ist Samstagabend und den Rückweg müssen wir uns durch wahre Menschenmassen bahnen.

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Morgen heißt es dann Koffer packen und ab nach Tbilisi – Georgien!

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1 Kommentar

  1. Danke, dass Ihr immer an mich denkt…. 😉 Straßenbahn, Hayder Pascha… hier eine kleine historische Ergänzung zu Hayder Pascha: Der Bahnhof wurde durch die Firma Philipp Holzmann nach Plänen der deutschen Architekten Otto Ritter von Kühlmann und Hellmuth Cuno als Ausgangspunkt der Anatolischen Eisenbahn und in ihrer Fortsetzung der Bagdadbahn erbaut. Mit dem Bau wurde am 30. Mai 1906 begonnen, die Einweihung erfolgte am 19. August 1908.
    Und wegen der Schuhputzer, da kann ich nur Wildledersandalen empfehlen – ein Fingerzeig auf den Fuß und los seid Ihr sie….
    Bitte Georgi grüßen und jetzt bin ich gespannt auf Euren Georgien- in-10TagenTrip 🙂 Armin

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